Haus am See – kreative Landidylle

10 Mai, 2018 | Deutschland, Unterwegs | 0 Kommentare

Diese Worte sprangen mir als erstes ins Auge, Kreativität gehört zu meinem Leben und Landidylle ist genau das, was ich gesucht habe. Haus am See mit einem Steg, Wohn- und Schlafzimmer, sowie Toilette mit Dusche nur für mich alleine, Küche, Esszimmer und Garten werden gemeinsam genutzt, Fahrräder stehen auch zur Verfügung. Aahhh, Stichwort Fahrrad, noch ein Grund mehr diese Landidylle zu buchen, habe ich doch seit meiner Kindheit nicht mehr auf einem Fahrradsattel gesessen, also gefühlt 100 Jahre her.

Nicht, dass es in meiner Stadt keinen Fahrradhändler gibt wo ich eine Testfahrt machen könnte, aber das Risiko mir eine blutige Nase vor Publikum zu holen ist mir doch zu groß. Also werde ich den Probelauf/fahrt in der Landidylle unternehmen.

Etwas über 1 Stunde Fahrt, kurz vor dem Ziel schickt mich das Navi auf einen Campingplatz – danke Navi, aber dann bin ich doch am Ziel. Das Carport für mein Auto finde ich sofort, Handy aus der Tasche um weitere Anweisungen zu lesen, wo der Eingang ist usw. und da steht auch schon Katja in der Tür. Erster Blick ….gefällt mir, sie scheint nett zu sein.

Schlüsselübergabe für meinen eigenen Eingang, Schlafzimmer, Wohnzimmer und alles andere wird mir von Katja gezeigt und erklärt. Sehr hübsch, hier werde ich mich sicher wohlfühlen, trotzdem bin ich noch unsicher. Wie gesagt, mein erstes Mal und ich muss mich erst selber in dieser unbekannten Situation finden.

Der Garten ist fantastisch, die Seidenhühner laufen an mir vorbei und über den mit rosafarbenen Obstblüten übersäten Rasen.

Zum Haus gehört noch eine Werkstatt, Katja ist Künstlerin, ein Schuppen mit Sitzpolster für die Gartenstühle und Liegen sowie eine Garage. „Darin steht ein Fahrrad, das du gerne benutzen kannst“, sagt Katja. Ah ja. Jetzt kommt meine Fahrradbeichte, gefühlt 100 Jahre nicht gefahren, weiß nicht ob ich es noch kann blablabla. Katja lacht, der Sattel ist zu hoch, sie schraubt ihn zurecht und dann steht es fahrbereit. „Probier ich später“, ist mein lockerer Spruch in Richtung Katja.

Ausgepackt ist schnell und dann erstmal in den Garten. Die Hollywood-Schaukel, selbst gebaut vom Vater der Gastgeberin, wird getestet, dann entscheide ich mich aber für die türkisfarbene gemütliche Liege unter Obstbäumen. Stille und nur ab und zu ist ein Huhn zu hören, so lässt es sich aushalten und ich bin zufrieden.

Das „Projekt Fahrrad“ klopft immer wieder in meine Gedanken und ich muss es jetzt einfach hinter mich bringen. Katja, sitzt auf der gemütlichen Hollywood-Schaukel und ich rufe ihr zu, dass ich jetzt eine Runde drehe. „Ok, ich hole mein Handy, falls etwas ist, ruf an, ich hole und rette Dich“, grinst sie. Wir lachen beide, ich gehe durch den Schuppen und ich schwinge mich etwas weniger elegant auf das Fahrrad und los gehts, in Schlangenlinien, um der Situation einen besseren Ausdruck zu geben, ich eiere mit dem Fahrrad den Weg entlang. Egal, weiter gehts und nach ein paar Metern habe ich das Fahrrad unter Kontrolle gebracht, dieses wilde schwarze Ding. 

 Am Abend bin ich noch einmal mit dem Rad unterwegs, in der Marsch, die mich mit einer unglaublichen Fülle blühender Obstbäume begrüßt. Eins ist sicher …. Fahrradfahren verlernt man nicht und ich werde in Lübeck nach einem hübschen Hollandrad Ausschau halten.

Viele neue Eindrücke, wunderschöne Gegend, sehr nette und zurückgenommene Gastgeberin und ich …. bin sehr müde und gehe früh schlafen.

Der zweite Tag …
beginnt mit einem Frühstück, draußen, auf einer rosafarbenen Bank und in Gesellschaft vereinzelter Hühner. Dotta, ein etwas älteres Huhn hat es mir angetan. Wenn die anderen sich schon wieder irgendwo anders tummelten oder ein Sandbad nahmen, schwirrt sie gemächlich um mich herum. Irgendwie ist sie immer in meiner Nähe, oder bildete ich mir das nur ein.

 Als ich meinen Ausflug startete hatte ich in letzter Sekunde ein Buch aus dem Regal geschnappt, ein Buch das seit Jahren an dieser Stelle weilte und darauf wartete gelesen zu werden. Gestern Abend war es dann soweit und es hat mich so gefesselt, nachdenklich gemacht und zum Schmunzeln gebracht, dass ich beim gemütlichen frühstücken darin weiter gelesen habe. Wie herrlich entspannt ist es an diesem Morgen inmitten der Natur, ich könnte noch ewig hier sitzen wenn ich nicht so eine Bewegungsfanatikerin wäre.

Los gehts die Gegend erkunden, dieses Mal zu Fuß. Alles kannst du hier erleben und sehen, je nachdem in welche Richtung man kennt, von etwas trubelig bis still und beschaulich, Ich bin gelaufen, gelaufen und gelaufen, konnte nicht genug bekommen und habe zum Schluss noch den angepriesenen Bäcker gesucht, der in der Nähe vom Haus am See zu finden ist.

.Habe ich eigentlich schon erwähnt, dass ich ein Traumwetter habe, das schönste Frühlingswetter das man sich vorstellen kann.

Und was macht man an einem der schönsten Frühlingstage, sich in der Natur bewegen und entspannen. Wieder auf dieser bequemen türkisfarbenen Liege, die auf einem mit Obstblüten übersäten Rasen einladend nach mir ruft. An schlafen war nicht zu denken, dass Buch lockt mich wieder und über den Inhalt muss ich kurz erzählen.

*Das Buch:
Es ist ein Briefwechsel zwischen einer mittellosen Schriftstellerin aus New York und dem Angestellten eines kleinen Antiquariats in London. Die Schriftstellerin ist auf der Suche nach speziellen Büchern, die sie in New York nicht bekommt, wird durch eine Zeitungsanzeige auf das Antiquariat in London aufmerksam und schreibt eine Bestellung. So entsteht 1949 ein Briefwechsel der 20 Jahre dauern soll, zu Beginn mit fremden Menschen, die nach und nach zu Freunden werden ohne sich jemals gesehen zu haben. Die Büchernärrin bestellt immer mehr Bücher, schickt auch einige zurück, weil sie die Ausgabe als hässlich empfindet oder eine Übersetzung als missraten bewertet. Worauf sie ein Entschuldigungsschreiben erhält, dass man nach einer besseren Ausgabe Ausschau hält. 

So werden über die Jahre Bestellungen und Büchersendungen zwischen den Kontinenten versendet, jedoch bleibt es nicht dabei, es werden Gedanken ausgetauscht, Begebenheiten erzählt wie z.B. eine Zahnbehandlung oder der Kauf eines alten Autos. Wie empört ist sie, als sie von den Lebensmittelrationalisierungen hört und sendet trotz schmalen Geldbeutels zu Weihnachten und Ostern Eier, Schinken, Konserven oder sogar Seidenstrümpfe nach London.

Für mich ist es schwierig das Buch zu beschreiben, ich treffe nicht die richtigen Worte, bei mir klingt es so banal. Das Buch hat bei mir so viel gezeigt von Freundschaft, einer Einfachheit und dadurch so beeindruckend, Hilfsbereitschaft, Verbundenheit, aber auch Witz. Die Sprache, die Worte haben mich gefesselt, das Buch hat bei mir ein wunderbares Gefühl entstehen lassen das ich nicht richtig beschreiben kann. Ich musste es hier lesen, in diesem Haus am See, das hat es komplett gemacht.

*Das wunderbare Buch heißt „Charing Cross Road“ und ist von Helene Hanff

Plötzlich habe ich Lust einen Brief zu schreiben und frage meine Gastgeberin Katja ob sie evtl. einen Schreibblock für mich hat, ich möchte gerne einen Brief schreiben. Natürlich hat sie und zeigt mir wunderschönes Briefpapier aus dem ich mir soviel aussuchen kann wie ich möchte.

Und ich schreibe drauf los, flüssig, ohne Überlegung reiht sich Wort an Wort und füllt zwei Seiten. Ich dachte an zwei liebe Menschen, als mir der Gedanke mit dem Briefeschreiber kam, also verfasse ich einen zweiten Brief, lege in jedes Kuvert eine Blüte von den Obstbäumen und verschließe die Umschläge. 

Jetzt noch schnell Briefmarken besorgen, einen Briefkasten suchen und mit dem Rad ein bisschen die Marsch erkunden.

Der Sonnenuntergang am See soll legendär sein, also mache ich mich am Abend noch einmal auf den Weg um die Stelle für ein schönes Foto zu finden, die Katja mir beschrieben hatte. Irgendwie will mir das nicht gelingen, entweder war ich am falschen Platz oder die Sonne war es. Wohl eher ich, da ich die Sonne in einer ganz anderen Richtung sehe, folge ich ihr und kann eine fantastische ruhige Abendstimmung am Deich genießen.

Das Foto vom Esszimmer bei Airbnb faszinierte mich, als ich das Zimmer bei meiner Ankunft mit eigenen Augen gesehen hatte war ich sofort verliebt. Es ist der beste Platz für den letzten Abend, leise ruhige Musik, ein Glas Wein, gute Gedanken an diesem schönen Ort… so geht der Tag zu Ende.

Der letzte Tag …
der letzte Morgen, die Sonne schickt warme Strahlen, dass ich wieder auf der rosanen Bank sitzen und frühstücken kann, Dotta läuft wieder hin und her und ich denke …. wunderbare Welt.

Diese wenigen Tage haben mir so viel gegeben, ich nehme so viel positive Gedanken mit und bin unendlich dankbar diesen Ort mit seinen Bewohnern gefunden zu haben.
Ein letzter Blick zu den anderen Hühnern, der gemütlichen Liege auf dem blütenüberströmten Rasen und ein letzter Gang zum Steg. Ein letzter Plausch mit Katja, einer fantastischen Gastgeberin und dann heißt es Abschied nehmen.  

Plötzlich werden die Hühner laut, Katja lacht und meint, die sagen Tschüs ….

Tschüs
 „Haus am See“ und ein ganz herzliches Dankeschön an Katja …. ich komme wieder.

.

Und hier noch ein paar Impressionen aus dem Haus am See, in dem man auf Entdeckungsreise gehen kann weil man immer wieder neues entdeckt.

 

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Ich bin Gabriele ….
seit 2000 im schönen Lübeck zu Hause, aber im Herzen noch immer eine Hessin.
Irgendwie ist bei mir, in meinem Kopf immer etwas los, Ideen, Überlegungen, Konzepte, Ausprobieren, Langeweile gibt es nicht. Fotografieren ist meine Leidenschaft, noch mehr eine gesunde Lebenseinstellung, im wahrsten Sinne des Wortes.
Ende 2020 ist meine Verlagstätigkeit zu Ende, es wird Einschränkungen und neue Erfahrungen geben. Ich bin gespannt und plane bereits jetzt.
Viel los ... wie immer.

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