Marburg im März und die Hexen-Route

20 Apr, 2022 | Deutschland, Marburg Liebe | 0 Kommentare

Der Hexenturm in Marburg hat mich in meiner Kindheit immer ein bisschen gegruselt, Bilder hatte ich im Kopf, aber viel und genaueres war mir nicht bekannt. Nun gibt es eine „Hexenroute“ in Marburg, den Weg der Verurteilten bis zur Hinrichtungsstätte, diesen Weg wollte ich unbedingt gehen.
Eine nette Unterkunft am Steinweg hatte ich gefunden, Tickets für den Zug gebucht, ich freue mich und bin sehr gespannt.
Es ist immer ein Ankommen wenn aus dem Zug steige und meine Heimatstadt sehe.

Unterkunft
Für mich ist ein Zimmer oder Appartement in der Oberstadt immer wichtig, beste Voraussetzungen für alle Unternehmungen. Dieses Mal habe ich ein kleines, total hübsches helles Appartement am Steinweg gebucht. Salz, Pfeffer, Öl, Kaffee und einiges mehr ist vorhanden, sehr praktisch für einen kurzen Aufenthalt. Morgens werde ich von dem Glockengeläut der Elisabethkirche geweckt, abends erfreue ich mich an diesem schönen Anblick.

MARBURGER HEXENROUTE

Orte der Haft
Die Hexenverfolgung fand ca. nach 1500 statt. Schon länger wurde gezaubert, was positiv behaftet war, aber nun wurde gehext. Die Gelehrten sprachen von einer Sekte, die Hexen seien mit dem Teufel im Bunde und damit gegen Gott verschworen.

In Marburg wurden zwischen 1513 und 1712, ca. 120 Hexenprozesse geführt, bei denen mindestens 22 Frauen und 2 Männer den Tod fanden. Erste bekannte Verbrennung in Marburg war 1582, Elisabeth Leuning wurde 1688 als letzte Hexe hingerichtet.
Alle Angaben habe ich aus dem Prospekt „Marburger Hexenroute“ Ein Stadtspaziergang, Herausgeber: Stadt Marburg

Der Turm, unweit vom Schloß gelegen, trägt zu Recht den Namen Hexenturm, hier saßen Kriminelle und angebliche Hexen ein. Ursprünglich hatte dieser Bau einen anderen Nutzen, wurde umgebaut und 300 Jahre als Gefängnis genutzt.

Der Hexenturm

Da die Gerichtsbarkeit über solche Fälle dem Landesherrn.
Auf dem Schloß gab es etliche Gefängnisse, alle waren um den Burghof, jetzt der große Parkplatz, angesiedelt,
Auf der Südterrasse war um das 15. Jahrhundert ein großer runder Turm, ein sogenannter „Bergfried“. Das Untergeschoss wurde als Gefängnis genutzt, in dem die Gefangenen mit Seilen herabgelassen wurden. Später wurde dieser Turm abgerissen.

Ich habe mich weiter an dem Prospekt orientiert und die rote Tür gesucht, die dank der Beschreibung gut zu finden war. Hinter diesen Mauern wurde ein Verlies gehauen und 3 Zellen errichtet. Das Verlies nannte man damals „Des Spacius Gemach“ oder auch „rote Tür“. Sieht so aus, als befand sich bereits damals eine rote Tür in dem Mauerwerk.

Doch es geht noch weiter, ganz in der Nähe des heutigen Schlossparks gab es ein sogenanntes „Stockhaus“, in dem Gefangene in ihren Zellen angekettet wurden.

Die rote Tür

Das Halsgericht
Ich gehe weiter, immer schön bergab, die Waden werden es mir danken, in Richtung Rathaus, dort tagte das Halsgericht.
Der vorsitzende Sc hutheiß, Schöffen und Gerichtsschreiber tagten im ersten Stock, verhörten die Beklagten, befragten Zeugen, die Verteidiger kamen zu Wort. Waren die Beklagten jedoch nicht geständig folgte die „peinliche Befragung“, die sogenannte Tortur. Dies fand im Keller des Rathauses, wahrscheinlich im Lochgefängnis statt und muss barbarisch gewesen sein.

Einer der ersten Marburger Hexenprozesse fand 1582 auf dem Marktplatz vor dem Rathaus statt. Die Bevölkerung konnte daran teilnehmen und angeblich war der Andrang groß, dass sogar die Absperrungen ignoriert wurden. Was für ein fürchterliches Schauspiel.

Rathaus mit Marktplatz

Der Weg zur Richtstätte
Nach der Urteilsverkündung, die meistens die Schuldfähigkeit bedeutete, ging es zur Hinrichtungsstätte.
Diesen Weg gehe ich nun, Barfüßerstraße, Untergasse, Weidenhäuser Brücke, links die Kappesgasse, an der ich einen Halt mache. Die Kappesgasse hieß früher Henkersgasse, Du ahnst es wahrscheinlich schon, hier wohnte der Henker.

Kappesgasse, ehemals Henkersgasse

Die Richtstätte „Am Rabenstein“
Der letzte Gang führte dann weiter über den wirklich steilen Kaffweg oder die Schippe Gewissegasse bis zur Richtstätte, dem „Rabenstein“. Alte Steine sind zu sehen, eine eine Bank aus Sandstein und ich frage mich ob die bereits damals Zeugen schrecklicher Geschehnisse waren.
Ich spüre das Leid dieses Ortes, an dem überwiegend Frauen hier als Hexen hingerichtet wurden. Der grandiose Ausblick über die Stadt kann nicht trösten,

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Die Marburgerin Catharina Staudinger wurde 1656 als Hexe verurteilt und. verbrannt. Angeblich wohnte sie Ecke Schlosssteig/Wettergasse. Ich habe mich auf die Suche gemacht um das Haus zu finden, evtl. war es dieses, wer weiß.

Ist das vielleicht das Haus in dem Catharina Staudinger wohnte?

1688 wurde Elisabeth Leuning aus Rosenthal als letzte Hexe in Marburg hingerichtet.
1718 war die letzte Hinrichtung einer Hexe in Hessen.
Der Hexenverfolgung in Europa fielen ungefähr 60.000 Menschen zum Opfer, die Hälfte davon in der Bundesrepublik Deutschland. 80% der Opfer waren Frauen.
Danke an den Magistrat der Universitätsstadt Marburg, Fachdienst Kultur, für diesen detaillierten Bericht.
Wer mehr über die Hexenroute in Marburg erfahren möchte schaut gerne unter
https://www.marburg.de/Hexenroute

Die Wege in meiner Stadt
Als ich noch in Marburg lebte war ich sehr selten in der Oberstd, vermutlich geht es den meisten Marburgern so, aber mit dem räumlichen Abstand ist die Sicht dann wieder anders. Ich liebe die Oberstadt mit ihren kleinen Gässchen wo es immer etwas neues zu entdecken gibt, heimeliges, romantisches und teilweise auch skurriles.


In der Barfüßerstraße und Wettergasse, wir sind immer noch in der Oberstadt, haben sich hübsche kleine Läden, Cafés und Kneipen angesiedelt. Am Abend merkt man deutlich, dass Marburg eine Studentenstadt ist, die Kneipen und Bistros sind gut besucht, teilweise sogar mit ihren Laptops auf dem Tisch.

Barfüßerstraße

Hirschgraben, wieder Treppen, bis zum Marktplatz


Bei jedem meiner Besuche spaziere ich am Wehr entlang. In der Nähe bin ich groß geworden und ohne mein Zutun kommen die Erinnerungen an meine Kindheit.

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Im Café Großartig in der Wettergasse bin ich bei jedem meiner Aufenthalte. Das Personal ist super nett, freundlich und es gibt eine Vielzahl an veganen Gerichten und Kuchen. Kuchen sind meine heimliche Leidenschaft, ich kann einfach nicht daran vorbeigehen.
Übrigens, auch die Vierbeiner sind im Café Großartig herzlich willkommen und bekommen ein kuscheliges Plätzchen, drinnen wie draußen. Soooo eine schöne Idee.

Nach Kuchen und Käffchen fühle ich mich immer voller Energie und starte meistens den „Aufstieg“ zum Schloss. Warst Du schon einmal dort oben, hast den steilen Berg gewählt oder mit zittrigen Beinen die ellenlange Treppe gewählt? Dann wirst Du mir zustimmen, dass es niemals nie eine gute Idee ist nach dem Genuss einer großen Kuchenköstlichkeit, einen dieser Wege zu gehen.
Und trotzdem, oben angekommen, egal wie 😅 ….. schaue ich immer beseelt auf meine Stadt. Andere scheinbar auch.

Die Zeit ist wieder viel zu schnell vorbeigegangen, aber ich komme wieder und dann gehe ich vielleicht die Emil-von-Behring-Route, mal schauen.

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Ich bin Gabriele ….
seit 2000 im schönen Lübeck zu Hause, aber im Herzen noch immer eine Hessin.
Irgendwie ist bei mir, in meinem Kopf immer etwas los, Ideen, Überlegungen, Konzepte, Ausprobieren, Langeweile gibt es nicht. Fotografieren ist meine Leidenschaft, noch mehr eine gesunde Lebenseinstellung, im wahrsten Sinne des Wortes.
Ende 2020 ist meine Verlagstätigkeit zu Ende, es wird Einschränkungen und neue Erfahrungen geben. Ich bin gespannt und plane bereits jetzt.
Viel los ... wie immer.

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Niko Rittenau ist Ernährungswissenschaftler mit einem Fokus auf pflanzliche Ernährung. Er absolvierte ein Bachelorstudium in Ernährungsberatung und ein Masterstudium in Mikronährstofftherapie und Regulationsmedizin. Niko kombiniert seine Fähigkeiten als ausgebildeter Koch mit dem Ernährungswissen seiner akademischen Laufbahn ....
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